Abschied

Tränen an der Bushaltestelle.
Wie viel Wert hat ein Leben?
Ich werde dich nicht wiedersehen.
Warum kann man das Schicksal nicht ändern?
Warum bleibt die Zeit nicht stehen?
Warum weinen nicht ALLE Menschen?
Warum machen alle einfach weiter,
als sei nichts geschehen?

Deine Kinder spielen im Garten.
Sonnenschein.

Ein Baum wird gepflanzt.
Frühlingsluft.

Und Menschen, die dich lieben.
Erinnerung.

Und du im Rollstuhl sitzend, mit Sauerstoffgerät
lachst fröhlich dem Leben entgegen.

Schmerz durchzuckt deinen Körper.
Du schläfst ein – einfach so.

ganz plötzlich.

nur kurz.

Und diese Wärme in deinen Augen
verrät deine Kraft. Deine Liebe.
Und verlegen schiebst du die Mütze
aus deinem Gesicht.

Dein Körper wirkt so geschunden,
so empfindsam und gequält.
Wie kannst du das nur ertragen?
Wie hältst du das nur aus?
Dein Geist ist so hell, so tief und so klar.
Und mit Angst und Stolz trägst du den Schmerz.

Die Sprache war dein Zuhause, dein Leben.
Jedes Wort tausendmal durchdacht und gefühlt.

Solange ich kann:

Jeden Tag ein Gedicht.

Jeden Tag wenigstens einen Moment der Liebe

und dankbar sein für mein reiches Leben.

Solange bleibe ich.

Du bist mein Held, mein Freund,
wohl der Schönste, den ich je hatte.
Was würde ich drum geben, dein Leben zu retten.
Ich hab noch nie jemand gesehen,
der so kämpft – bleiben will
und der die Macht des Schicksals versteht.

Deine letzten Worte, an mich gerichtet:

„Ich mache mir Sorgen!

Pass gut auf dich auf, ich kann es nicht mehr.
Und bleib wie du bist, so hab ich dich gern.“
Und du lächelst dabei
und nimmst sanft meine Hand.
Ein letzter Blick, eine tiefe Umarmung
und meine Sprache versagt.

Ich denke an dich, jeden einzelnen Tag
Eine Leerstelle in meiner Welt.
Gespräche, die ich nur mit dir führen kann,
einen Blick in deine Seele.

Und wenn ich des Nachts nicht schlafen kann,
dann lese ich deine Gedanken,
dann rede ich mit dir ein ernsthaftes Wort
und lachend gen Himmel geschaut

gibst du mir den Mut und die Kraft fürs Leben.