1. Dialog.
Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb..

… Sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war zu tief.

(Hero und Leander nach Ovid)

 

A: Ähm, entschuldigen Sie, darf ich Sie mal etwas fragen?

B: Mich? Meinen Sie mich?

A: Ja, genau Sie. Sie sehen so aus, als könnten Sie eine gute Antwort geben.

B: Das schmeichelt mir jetzt aber. Nun dann..fragen Sie.

A: Lesen Sie?

B: Nein, eher nicht. Stellen Sie sich vor, ich schlafe immer darüber ein, wenn ich es mal versuche. Ich liebe bewegte Bilder.

A: Aha. Ich habe ja nur eine ganz einfache Frage gestellt.

Ein Nein, hätte gereicht.

Ich liebe die Phantasie.

Ich lese sehr viel.

B: Etwas bestimmtes, wenn ich fragen darf? Bevorzugen Sie ein bestimmtes Genre?

A: So kann man über Literatur nicht sprechen.

Wie leben Sie? Wollen Sie mir davon erzählen?

B: Ich weiß nicht, fangen Sie vielleicht lieber an?! Ich bin doch etwas schüchtern und nicht so wortgewandt, wie Sie.

A: Hab ich Sie etwa überrumpelt?!

Also, ich bin sehr nachlässig manchmal. Ich schlafe sogar hin und wieder einfach mit meinen Sachen ein, diesen einen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht. …und Licht, ich brauche immer Licht. Wirkliche Dunkelheit kann ich nicht ertragen.

Ich rauche und trinke. Und ich hab einen Spiegel, der einen Riss hat und so sehe ich mich oft gespalten in mehreren Bildern.

Das finde ich schön.

Und Sie, kennen Sie Ihren Nachbarn?

B: Flüchtig. Er ist nett, glaube ich.

A: Wieso kennen Sie Ihn dann nicht besser?

B: Ich weiß nicht, es hat sich nicht ergeben.

Was machen Sie beruflich?

A: Ich schreibe.

B: Sie schreiben? Für eine Zeitung?

A: Ich schreibe Gedichte seit meiner Kindheit.

B: Das ist kein Beruf.

A: Ich habe keinen anderen vorzuweisen.

Gehen Sie gern aus? Tanzen Sie?

B: Hin und wieder. Nicht allzu oft. Die Gesellschaft von Menschen macht mir oft Angst.

A: Angst hindert oft zu sehr.

B: Ich weiß, aber manchmal wird sie so übermächtig, dass ich das Haus nicht verlassen kann.

A: Ich kenne das. Es ist schrecklich solange man weiß, dass es so ist.

B: Man schützt sich eben selbst.

A: Vor dem Leben?

B: Ja, in gewisser Hinsicht.

A: Gewisse Hinsichten…ungewiss ist mir lieber.

War das Leben nicht gut zu Ihnen?

B: Ich glaube zu gut.

A: Fühlen Sie Demut?

B: Ich bin unsicher..Was meinen Sie?

A: Die Krankenversicherung, ein voller Kühlschrank, ihre Freunde, die letzte Zigarette vor dem Einschlafen..

B: Ich rauche nicht.

A: Noch nie?

B: Zu teuer!

A: Weinen Sie manchmal?

B: Oft. Vielleicht zu oft.

A: Was denken Sie, sind Sie eine starke Persönlichkeit? Ich meine, wissen Sie, was Sie vom Leben wollen? Haben Sie Ziele, so menschlich gesehen?

Ach, entschuldigen Sie vielmals. Ich frage sehr viel. Ist Ihnen das vielleicht unangenehm?….lacht. Schon wieder eine Frage..

B: Ich weiß nicht. Nein, Beides. Nicht stark und nicht unangenehm.

A: Fragen Sie etwas…Nun kommen Sie, Sie sind dran.

B: Ist das ein Spiel?

A: Nein.

B: Ja, also warten Sie. Okay! Ist es Ihnen wichtig, was andere über Sie denken?

A: Ja und Nein.

B: Gute Antwort.

A: Weiter…

B: Gibt es etwas, was Ihnen heilig ist?

A: Ja, die Menschen glaube ich.

B: Welche Jahreszeit mögen Sie?

A: Den Herbst…ich liebe das Licht und die Vergänglichkeit.

B: Puh, es ist kalt im Herbst..

A: Keine Klischees bitte..

B: Ebenso.

A: 1:1

B: Okay.

A: Erzählen Sie mir von der Liebe.

B: Ein schönes Thema.

A: …..Bitte…..

B: Ich kenne die Liebe nicht. Jedenfalls nicht als klare Definition.

A: Liebe ist ja auch ein Gefühl.

B: Meinen Sie das im Hier und Jetzt?

A: In der Unendlichkeit meine ich…

B: Unvorstellbar. Es gibt nunmal eine Wirklichkeit und es muss schon passen.

A: Sie meinen also, ein anderer Mensch muss schon passen, wie ein Paar Schuhe zum Beispiel?

B: Seien Sie nicht albern.

A: Bin ich doch gar nicht. Es ist schon wirklich ärgerlich, wenn der Schuh drückt.

Ich will ja nur wissen, wie Sie das genau meinen.

B: Naja, also.. Weltansichten, Hobbys, Angewohnheiten..so Sachen eben. Sie wissen schon.

A: Tennis?

B: lacht. Und bitte kein Mensch, der früh aufsteht. So blinder Aktionismus ist furchtbar.

Sehen Sie gern aus dem Fenster?

A: Manchmal. Gern.

B: Ich tue das nicht sehr gern. Es bringt Unruhe in mein Leben. Ich liebe die Ruhe, wissen Sie.

Lieben Sie jemanden? Also ich meine, Sie haben angefangen mit diesem Thema. Ich will nicht unhöflich erscheinen.

A: Kein Problem, machen Sie sich keine Sorgen. Sie sind sehr höflich. Das mag ich.

B: Sie antworten mir also?

A: Die meisten Menschen wollen zurück geliebt werden, wenn Sie glauben zu lieben. Das ist ihr Untergang.

B: Ist das nicht allzu menschlich?

A: Das sind zwei verschiedene Sachen.

B: Wollen Sie das denn etwa nicht, zurückgeliebt werden? Es ist doch vernünftig, etwas zu geben und dafür auch etwas zu bekommen?

A: Ahja, Vernunft ist gut in der Liebe. Aber, Sie haben im gewissen Sinne recht, ich kann mich nicht ausschließen.

B: Wir brauchen doch aber die Vernunft, sonst verirren wir uns doch nur in unseren Träumen.

A: Nicht auszudenken, das wäre ja ganz furchtbar.

B: Suchen Sie denn nicht die Übereinstimmung, die Ergänzung in einem anderen Menschen?

A: Ich berechne nicht.

B: Ich suche mich selbst und finde manchmal ein Bruchstück meiner Selbst in den Augen eines Anderen.

A: Das nenne ich Glück. Ich habe mich verloren, jedenfalls fühle ich mich manchmal so.

B: Das bedeutet, dass Sie sich dann aber bereits schon irgendwann einmal gefunden hatten. Das ist gut. Etwas Verlorenes kann man wiederfinden.

A: Es ist nur ein Gefühl…Was sehen Sie denn dann in den Augen des anderen Menschen? Sich selbst sagen Sie? Wie muss ich mir das vorstellen?

B: Ich habe große Angst vor dem Tod, wissen Sie…und manchmal sehe ich dann einen Funken Hoffnung.

A: Das ist schön.

B: Lachen Sie viel?

A: Ja, sehr viel.

B: Meinen Sie das zynisch?

A: Durchaus nicht. Und Sie?

B: Ich habe zuerst gefragt, aber nun gut..

Ich mache mich gern über etwas lustig, lache auch mal über andere oder über mich selbst. Damit ich die Welt ertragen kann..

A: Das hilft? Dann muss ich das auch mal ausprobieren.

Sie sind wahrlich ein lustig…

B: Sie ebenfalls.

A: Wollen Sie noch einen Drink?

B: Nein, es ist spät. Danke.

A: Ich würde gern noch einwenig bleiben.

B: Das Leben geht weiter, auch ohne uns. Kann es denn noch besser werden, als es jetzt ist?

A: Ich fürchte nicht. Aber, wer weiß, vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder.

B: Gar nicht so schlecht. Sie sind ein Naturtalent.

A: Was meinen Sie?

B: Sie waren zynisch.

A: Finden Sie?

B: Was für eine Frage. Absolut.

A: Sie haben mich also einfach so durchschaut, denken Sie?!

B: Nein, so weit würde ich nicht gehen.

A: Es ist nämlich auch nicht ganz richtig. Ich glaube nämlich tatsächlich an Wunder.

B: Das ist eine Lebenseinstellung.

A: Ah, Sie meinen, wie ein Bild. Wir finden Beschreibungen von Gefühlen und Fotos und Sprüche und Lebensweisheiten und siehe da.. Fertig ist unsere Selbstdarstellung. Finden sich Menschen darin wieder, teilen Sie es gar..dann haben wir unsere Einstellung zum Leben gefunden und manifestiert.

B: Plakativ.

A: Seien Sie nicht albern.

B: Ich habe Sie zum Lachen gebracht.

A: Ja, das ist schön.

Wollen wir nun doch noch etwas trinken?

B: Sie manipulieren…

A: Aber gern…

B: Macht das einen Unterschied?

A: Ja, einen großen sogar…

B: Dann lasse ich es nur zu gern zu.

A: Jetzt habe ich Sie zum Lachen gebracht.

B: Ja, auch schön. Aber ein bisschen Zynik war schon dabei, auch wenn das für mich keine Einschränkung bedeutet.

A: Ich weiß. Ich konnte nicht anders. Ich wollte meine neu erlernte Fähigkeit doch mal testen.

B: Hauptsache keine böse Absicht.

A: Ich spiele nicht gern. Ich bin einfach ein zu schlechter Verlierer.

B: Sie würden fast immer gewinnen. Ich bin mir sicher.

A: Das schmeichelt mir nicht.

B: Ich weiß.

A: Ich mag meine Moralvorstellungen.

B: Viel Theorie und Träumereien, schätze ich..Leider!…trotzdem! Ich finde Sie symphatisch.

A: Sie helfen mir.

B: Na, dann…dann schaffen Sie ja Ihr Leben.

A: Ja, sehr gut sogar.

B: Schelmisch.

A: Mein Wille ist stark und mein Ehrgeiz ebenso.

B: Optimismus, was?!

A: Vielleicht.

B: Das zeichnet Sie aus.

A: Ich muss schon sagen, Sie sind wirklich ein Witzbold.

B: Und gern dazu.

A: Ich danke Ihnen.

B: Ich mag die Liebe.

Wollen wir uns wiedersehen?

A: Ja, sehr gern.

Wir haben ja schwimmen gelernt.

B: ….und sind erwachsen geworden, niemand wird das Licht löschen.

A: Damit schreiben wir die Geschichte neu.

Ich werde da sein.

B: Ich auch.

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