3. Dialog.
Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb..

… Sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war zu tief.

(Hero und Leander nach Ovid)

 

A: Hallo.

B: Sie sind tatsächlich gekommen..

A: Ich wusste, dass Sie das sagen werden. (lacht)

B: Die Welt ist rund und jeder ist mal dran. Schön, Sie zu sehen.

A: Wollen Sie mich küssen? Wir sprachen beim letzten Mal davon.

B: Gern und Richtig. Aber ich bin nicht so verwegen, wie ich es gern wäre.

A: Sind Sie etwa schüchtern, Sie Armer?!

B: Ihr Gesicht würde dem meinem sehr nahe kommen – beim Richtig.. verstehen Sie?!

Ich glaube, das verkrafte ich nicht. Noch nicht.

A: Na, Sie sind vielleicht gut. Die Nähe wäre nur ein kleiner Teil – wir würden uns vereinen. Binden auf eine gewisse Art. Würden gegenseitig Teil vom Schicksal des Anderen werden . Zu groß, zu bedeutend, vielleicht..jedenfalls für Sie.

B: Ach, sind wir das nicht bereits sowieso?

A: Ich weiß, was Sie meinen.

B: Reden und Schwimmen.

A: Licht und Dunkelheit.

A: Ach, da fällt mir doch ein, wo, wir gerade beim Schwimmen sind, ich habe meine Kondition verbessert..

B: Ach, tatsächlich?

A: Ja, ehrlich. Elegant und anmutig dazu.

B: Das schließt sich ja nicht aus und braucht viel Mut. Wissen Sie, wenn man zu viel Angst hat, verirrt man sich und ist in der Falle.

A: Sie sind zu sensibel.

B: Erlernte Muster und Rituale.

A: Gilt das als Entschuldigung?

B: Ja, ich hoffe doch. Ich kann einfach nicht anders. Auch, wenn es mich selbst unglücklich macht. So ist nun mal das Leben. Und es gibt Gesetzmäßigkeiten. Eigenschaften, die festgelegt und nicht mehr veränderbar sind.

Das hört sich doch gut an, finden Sie nicht?! Irgendwie doch plausibel.

A: Nein.

B: (lacht) Ach, verdammt, ich wusste, dass Sie das nicht akzeptieren würden.

A: Sie sind aber auch ein Schelm. Wissen Sie, Veränderung ist überall. Andauernd. Hell – Dunkel, das Wetter, voll und leer, Schlafen und Wachen, Ein und Aus. Warum sollten ausgerechnet Sie davon verschont werden? Alles im Wandel..jede Sekunde. Und, ich bitte Sie.. Der Mensch kann sich jederzeit verändern. Einflüsse, andere Menschen, andere Umstände.

B: Ich weiß nicht. Ich bin überzeugt, dass es Dinge gibt, die feststehen. Frühe Prägungen, Vererbung..

Ich weiß schon, einbisschen dünn. Es gibt irgendwie keine wirklich logische Antwort darauf. Wissen Sie, es gibt ja nicht nur schwarz und weiss. Es gibt diese vielen, vielen Zwischentöne.

A: Grau meinen Sie?

B: Ja, genau. Meinetwegen Grau. Sie sind aber auch stur. (lacht)

Aber vielleicht ist das ja alles gar nicht so schlimm, weil es auch das halb gibt und alles Betrachtungsweise ist?

A: Okay..und wie ist es dann für Sie, das halb..? leer oder voll?

B: Voll, natürlich.. Was dachten Sie denn?! (lacht)

A: Ich wusste es. (lacht ebenfalls)

Der Mensch kann eben nicht allein existieren.

B: Selbstverständlich nicht! Machen Sie eigentlich niemals unnütze Dinge?

A: Wie definieren Sie denn Nutzen ganz genau?

B: Ich bin gefangen, wie ein Löwe im Käfig. Sie sin mir immer wenigstens einen Schritt voraus. Dabei brauche ich doch Platz, um mich in meiner ganzen Herrlichkeit zu präsentieren.

A: Beklagen Sie sich etwa gerade?

B: Ich hasse nun mal Klischees.

A: Aber Sie selbst haben doch gerade die Schublade geöffnet.

B: Sie haben also nur reagiert?

A: Sie haben mich geradezu eingeladen.

B: Na, wenn das so leicht ist, dann sehr gern. Ach, und bevor Sie fragen, ich glaube, meinem Nachbarn geht es nicht wirklich gut.

A: Woher wollen Sie das denn wissen? Sie interssieren sich doch nicht wirklich für ihn.

B: Ich kann es ihm ansehen. Ich habe genauer hingeschaut. Er war mal ganz anders. Fröhlich irgendwie. Und jetzt..ich weiss nicht..

A: Zuviel Sonnenschein kann auch abstumpfen. Vielleicht ging es ihm ähnlich, wie Ihnen, keine Demut oder zu wenig.

B: Darf ich Sie jetzt küssen?

A: Endlich und bitte. Flüchtig.

B: (lacht) Ich wollte es schon zur Begrüßung, aber Sie denken einfach zu viel.

A: Sie tauschen sehr gern die Rollen, stimmts? Das nenne ich mutig. Über den Schatten springen, den eigenen.

B: Springen ist wohl zu viel gesagt. Eher so ein ganz kleiner Schritt.

A: Ich denke, Sie hassen Klischees?!

B: Ich bin überzeugt, dass jeder seinen Koffer nun mal selbst tragen muss.

A: Ehrlich? Aber meiner ist sehr schwer. Würden Sie mir nicht helfen?

B: Doch. Für ein Stück des Weges sehr gern.

A: Das klingt irgendwie traurig.

B: Realitätssinn.

A: Die Einsicht, das Alles endlich ist.

B: Unsinn. Ich war in dem dunklen Wald, wie Sie es mir geraten

haben. Und wie durch ein Wunder, bin ich nicht vom Weg abgekommen.

A: Sie vergessen. Ich wollte Sie begleiten. Aber Sie haben nicht gefragt. Sind einfach ohne mich los. Stur. Ich hatte Ihnen versprochen, auf Sie aufzupassen.

Ich habe also im Verborgenen über das Licht gewacht, damit Ihnen nichts passiert.

B: Ich werde ganz rot. Kann ich Ihnen etwa vertrauen? Sie treiben keinen Schabernack mit mir?

A: (lacht) Wer weiß..?!

B: Gestern habe ich eine ganze, lange Weile aus dem Fenster gesehen und mich an das Kind in Ihnen erinnert und mich gefragt, ob es wohl noch immer aufmüpfig ist..

A: Ich habe ein Gedicht geschrieben.

B: Worte jenseits der Welt, nehme ich an. Vom Schein zum tatsächlichen Werden ist es ein weiter und schwerer Weg.

A: Aber Sie haben doch jede Menge Zeit.

B: Ach, tatsächlich?

A: Sehen Sie, es ist doch gut, dass Sie mich getroffen haben. Ich helfe gern weiter, wenn Sie mal gedanklich festhängen.

B: Cape Diem und so.. und Abends nGläschen Rotwein mit Freunden.

A: Genau. Und drei Mahlzeiten am Tag.

B: Und rechtzeitig ins Bett. Es gibt da nur etwas Großes Unbekanntes, das uns unvernünftig werden lässt. Es könnte alles so einfach sein.

A: Ärgerlich.

B: Sie sind besser geworden. Geben Sie es zu..Sie haben in Sachen Zynik ordentlich und heimlich geübt.

A: Geübt..ja. Aber ganz offensichtlich.

B: War das Wasser eigentlich nicht zu kalt? Ich war besorgt das letzte Mal.

A: Ich bin abgehärtet.

B: Stimmt, Sie sagten ja schon, dass Sie ein Gedicht geschrieben haben.

A: Geben Sie mir bitte noch einen Kuss? Am liebsten auf die Stirn.

B: Eine Art Belohnung für all Ihre Mühen?

A: Es gibt ja Zeit und Raum.

B: Und warme Zimmer.

A: Wir trinken noch etwas, oder?

B: Whiskey zum Frühstück.

A: Und Lachen ohne Witze.

Ich habe Sonnenblumen auf meiner Bettdecke. Niemand ist geschützt vor Einfalt.

B: Illusionen sind schön.

A: Blau und Rot.. – passt das zusammen, was meinen Sie?

B: Landschaften mit einem weichen Bleistift zeichnen.

A: Sicherheit im Panikraum.

B: Und Fremde werden Freunde.

A: Die Verkäuferin im Supermarkt hat mir neulich einen schönen Tag gewünscht.

B: Und? Hatten Sie einen?

A: Ich habe mich danach lieber schlafen gelegt.

B: Das gefällt mir, dass Sie so unvernünftig sind.

A: Ich passe mich an. (lacht)

B: Noch einen Drink? Die Welt ist so bunt.

A: Ich habe aufgeräumt zu Hause. Kein Chaos mehr. Das wollte ich Ihnen unbedingt noch erzählen.

B: Ist das von Bedeutung?

A: Ordnung und Struktur. Regeln sind gar nicht so übel.

B: Sie haben ja auch Verantwortung für all Ihre Mitbewohner. So, wie ich eigentlich für meinen Nachbarn, zum Beispiel.

A: Schnickschnack.

B: lacht.

A: Ich habe Sie noch gar nicht gefragt, was Sie beruflich machen.

B: Elendes Ego.. Immer wieder holt es uns ein. (lacht)

A: Danke.. Dass Sie mich darauf aufmerksam machen. (lacht ebenfalls) Ich bin sittsam. Eigentlich. Also..was machen Sie denn nun beruflich?

B: Weltliches.

A: Was Sie nicht sagen. Kommen Sie, wir stellen uns an den Rand und bewundern die Welt.

B: Dann gehen wir heute also gemeinsam?

A: Einen Stück des Weges. Und bitte ganz langsam.

B: Ziele sind ja auch etwas für Pessimisten Aber Sie wissen schon, meine Haut, aus der ich nicht kann und so.. Und, was ist mit dem Licht, wenn keiner von uns beiden darüber wacht?

A: So lange wir zusammen gehen, gibt es Licht.

B: Dann brauche ich nicht zu fragen, ob wir uns wiedersehen, stimmts?!

A: Stimmt.

B: Wir finden uns.

A: Sie wollen wohl die Welt verändern?

B: ..mit meinem grenzenlosen Optimismus. Ja!

Beide lachen.

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