Gert Prokop – „Detektiv Pinky“

Erstveröffentlichung 1982, Kinderbuchverlag Berlin (DDR)
Illustrationen: Klaus Vonderwerth

„Pinky saß auf seiner Mülltonne und träumte.“

Es war an meinem 12. Geburtstag. Ich bekam von meinem großen Bruder „Detektiv Pinky“ geschenkt. Mein Bruder war der Älteste und ich die Jüngste der Familie und! er war mein großes Vorbild. Er war erwachsen, hatte lange Haare, Jesuslatschen an den Füßen, einen Hirschbeutel (selbstgenäht)umgehängt, einen langen Parka an und hörte komische Musik (fand ich jedenfalls damals). Er war ein typischer Junge, der in den 70igern jung war. Voller Ideale und neuen Ideen im Kopf. Ich wollte unbedingt so werden, wie er. Er reiste viel und schickte mir immer Postkarten aus den verschiedensten Orten. Ich stellte mir die Welt immer mit seinen Augen vor. Und dann schenkte er mir dieses Buch mit den Worten: „Der Junge in diesem Buch ist wie du.“ Ich war doch ein Mädchen..also begann ich zu lesen und war gespannt, wie er das wohl meinte.
Und so kam ich zu dieser wunderbaren Detektivgeschichte.

Die Hauptfigur Absolon W. Beaver, von seinen Freunden liebevoll Pinky genannt, ist genau wie ich 12 Jahre und verbringt die meiste Zeit sechs Stockwerke über der Stadt, lesend und träumend. Er sitzt auf einer bunten Mülltonne, die er gefunden – naja, nicht ganz – aber auch nicht gestohlen hat, und träumt davon ein berühmter Detektiv zu werden. Gemeinsam mit seinen Freunden „Monster“ und Marie-Antoinette „Prinzessin“ wohnt der Vollwaise Pinky im Waisenhaus der Potters „Potters Kinderheim“ in der fiktiven amerikanischen Stadt Kittsburgh und löst verschiedene Fälle.

Gert Prokop hat unverwechselbare Figuren geschaffen, die in fast jedem Kinderzimmer zu Hause waren, als Vorbilder und Abenteurer. Und sie waren vielschichtig und von gesellschaftlicher Relevanz. Ein mutiger Schriftsteller, denn sein kleiner Detektiv bekommt Drogengelder zugespielt, raucht Zigarren und bekommt Wein geschenkt. Er hat es oft mit ganz zwielichtigen Typen zu tun und wird mit ihnen fertig. Mit Herz und Verstand.

Das Wichtigste für mich war allerdings der große Gerechtigkeitssinn dieses kleinen Jungen. Er kämpfte für andere oft mehr, als für sich selbst. Er war mitfühlend und verteilend.

Meine persönliche Geschichte mit diesem Buch ist auch noch nicht ganz zu Ende. Als mein Sohn vor ein paar Jahren 12 wurde, bekam er – man kann es sich fast denken – „Detektiv Pinky“ von mir zum Geburtstag. Vielleicht wird diese Tradition von meinen Kindern ja weitergeführt..wer weiß.

Also meine Daumen sind oben. Eine Geschichte für alle kleinen, aber auch unbedingt alle großen Träumer, ähm..Leser.

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