Das Monatsbuch in der 2. Auflage

Geschenkbuch_MonateIch bin ganz glücklich. Gedichte und Aphorismen von mir zu Aquarellen der Schweriner Malerin Steffi Fehlberg, passend zu den 12 Monaten im Jahr. Im wunderschönen Geschenkeinband. Ein super tolles Weihnachtsgeschenk! Ich war fleißig unterwegs und habe in Schwerin total nette Läden und Ansprechpartner gefunden, die mein Büchlein zum Verkauf mit aufgenommen haben. Natürlich ist es auch bei mir ganz persönlich zu bekommen & einem gemeinsamen Kaffee oder Glühwein oder auf meiner Internet- oder Facebook Seite. Schreibt mir einfach eine Nachricht. Ganz unkompliziert.

Und hier könnt Ihr sehen, wo es überall erhältlich ist:

 

Ich danke allen noch einmal sehr für Ihre Hilfe.

 


 

Hier findet Ihr den Videomitschnitt von meiner Lesung zu den Literaturtagen 2015 in Schwerin. Das war ein wirklich toller Abend und ich danke nochmals allen Gästen und Mitwirkenden. Und wer nicht dabei sein konnte – das ist eine gute Zusammenfassung und eine sehr schöne Erinnerung.

„Schreiben ist wie Tanzen – ähnlich, wie beim Tanzen übernimmt die Seele die Aufgaben der Sinne, dann beginnt sich der Körper ganz von allein zu bewegen. So bekamen meine Worte einen Rhythmus, wurden zu einer Musik, die ich liebte.“

funkelnagelneu

Weiß oder Schwarz

Gestern. Ein stiller Abend. Das Fenster war geöffnet und die milde Herbstluft berührte mich sanft. Blumen und Kerzen auf dem Tisch ; noch ein Glas Wein zur Nacht. Eine beinahe feierliche Stimmung. Ich war müde und dachte nach, was das Leben wohl wirklich sei, wer ich wohl wirklich war? Was machte mich aus? Warum ist man da? Was ist der Sinn?

Da klopfte es plötzlich heftig an meine Tür. Ich erschrak. Ich öffnete vorsichtig, nur einen kleinen Spalt. Und da stand meine Unwissenheit mit hochrotem Kopf. So wütend hatte ich sie noch nie gesehen. Ich wollte fragen, was denn los sei, kam aber nicht dazu. „Ich will unbedingt die Unbedarftheit sprechen, sofort!“, herrschte sie mich an. „Und es würden auch noch ein paar andere kommen!“, drohte sie mit strenger Stimme. „Hat das nicht bis morgen Zeit?“ stöhnte ich leise und kraftlos und ließ sie herein. „Du hast jetzt noch die Option, dir Beistand zu holen“, brüllte sie mich fast an. Mein Gefühl, dass auf der Couch schon fast eingenickt war, erschrak ebenfalls und flüsterte dann leise: „Ich bin bei dir! Und ich ahne schon, wer gleich noch kommen wird. Die Sachlichkeit…brrrrrr…eine unangenehme Person, sag ich dir, so kalt und abgeklärt irgendwie.“ Und tatsächlich klopfte es erneut. „Schönen guten Abend! Was sein muss, muss sein. Ich wurde gerufen und habe noch meine Freunde, die Rationalität und den Egoismus mitgebracht und bitte um Einlass, damit wir die Angelegenheit ganz präzise und sachlich (– sie grinste leise –) klären können.“ Meine Unsicherheit rekelte sich kurz auf dem Bett und schlief aber gleich weiter.

Meine Angst sprang vom Sessel auf und verzog sich ins Badezimmer und versprach sich nicht einzumischen, das wäre nicht richtig. Meine Erfahrung, die im hinteren Teil des Zimmers am Schreibtisch saß und gerade im Netz surfte, sah genervt auf. Ich hatte wohl keine Wahl. „Also alle herein ins gute Zimmer“ sagte ich. Ich griff zum Telefon und rief meine Unbedarftheit an, sie war heute Abend mit Freunden aus. Freundlich und zugewandt erwiderte sie, dass sie in fünf Minuten da sein könne. „Alles sei zu klären, ohne Wut und Streit.“ sagte sie, ganz so, wie ich sie kannte und mochte.

Ich bot meinen Gästen ein Glas Wein an, während wir warteten und das Gefühl fügte hinzu, dass der Wein ganz hervorragend sei. Und mit einem Blick zu mir : „Wir beide würden fast jeden Abend ein Gläschen trinken vor dem Einschlafen, nicht wahr?“ Die Unsicherheit gab einen mahnenden Ton von sich, schlief aber wohl einfach weiter. „Ich hätte gern einen Tee, es ist spät und sehr unvernünftig um diese Zeit und bei diesem Thema Wein zu trinken“, sagte die Rationalität im ruhigen Ton. Ich setzte Teewasser auf und der Egoismus stöhnte laut und sagte: „Ich würde gern zur Sache kommen, ich hab auch noch besseres zu tun. Wir sollten kein Kränzchen daraus machen.“ Die Angst kam auf leisen Sohlen aus dem Badezimmer. „Ich hätte auch gern ein Glas Wein, sagte sie vorsichtig.“ Die Erfahrung mahnte sie mit einem liebevollen Blick. Die Tür sprang auf und die Unbedarftheit betrat fröhlich den Raum. „Ich habe meine Freunde mitgebracht. Darf ich vorstellen: Der Mut. Ist er nicht ein stattlicher Bursche, ich liebe ihn einfach. Und hier die kleine Schöne mit dem prächtigem und feinem Haar, die Liebe, sie ist so zart. Und zu guter Letzt mein langjähriger Freund und Wegbegleiter, das Gewissen, auf ihn ist immer verlass.“ Die Unwissenheit, die die ganze Zeit kein Wort von sich gegeben und versunken der Unsicherheit beim Schlafen zugesehen hatte, sprang auf und stellte sich der Unbedarftheit in den Weg. „Ich weiß nicht, warum du das immer wieder tust. Du gehst mit Freunden aus, lebst in den Tag hinein, als gäbe es keinen Morgen. Bist immer fröhlich und du denkst nie nach. Es gibt doch Grenzen und automatisch zwingst du uns alle mit deinem Verhalten, da mitzumachen, ob wir wollen oder nicht. Aber es gibt eine Realität, die du ständig ausblendest. Immer heute, immer im Moment.“ So sprach die Unwissenheit. „Ich kann dich genau deshalb nicht ausstehen“, fügte die Rationalität hinzu. „Ach, Leute! Nun mal ganz ruhig“, raunte die Erfahrung vom Schreibtisch und schwieg dann aber, weil die Sachlichkeit sie böse ansah. „Oh, man, mir ist das doch alles schnuppe. Was soll diese Diskussion. Jeder sollte doch in erster Linie an sich denken und machen, was er will.“ „Das war ja klar, von wem das kommen musste und das du so denkst“, piepste die Liebe. „Ich hasse den Egoismus wirklich.“ „Nanana, nun mal nicht so un..“, (Grinsen) wollte die Sachlichkeit gerade sagen und wurde vom Mut laut unterbrochen, der sich an die Unwissenheit wandte. „Also, wir sind schon ewig Freunde, die Unbedarftheit und ich und das Gewissen ist auch immer dabei. Wir passen auf, auf unsere Freundin und haben Verständnis. Zum Beispiel lassen wir die Unbedarftheit niemals allein ausgehen mit der Liebe. Das geht nicht gut.“ Ich hörte die ganze Zeit zu und wunderte mich, dass mein Gefühl gar nichts sagte. Ich sah hinüber und bemerkte, wie es mit der Rationalität flirtete. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Immerhin ging es um mich. Aber ich kam nicht dazu, etwas zu sagen, weil die Unwissenheit noch ein Stück näher an die Unbedarftheit heran trat und sie zur Rede stellte. Und das Gewissen hatte die Beiden Flirtenden im Auge. Das beruhigte mich. „Also, Fräulein! Was hast du dazu zu sagen?“ Den Kopf an die Schulter vom Mut gelehnt, antwortete die Unbedarftheit:

„Ach, du hast doch keine Ahnung. Ich liebe nun mal das Leben und habe gute Begleiter gefunden, die auf mich achten und mich schätzen. Wir ergänzen und helfen uns. Und wenn ich mal nicht weiter weiß, dann führe ich lange Gespräche mit der Erfahrung und frage sie um Rat. Sie hat immer ein offenes Ohr für mich und ist sehr milde zu mir.“ Die Unsicherheit war unbemerkt erwacht und weinte leise vor sich hin. Die Sachlichkeit setzte sich zur ihr ans Bett und tröstete sie sanft. „Schlaf weiter, meine Kleine. Schlaf weiter.“ Schweigen legte sich in den Raum. Keiner wusste mehr so ganz genau, was zu sagen war. Plötzlich lachte der Mut laut auf …die Angst hatte ihm wohl einen guten Witz ins Ohr geflüstert. Und alle mussten ein wenig lachen darüber, das gerade die Beiden sich so prächtig verstanden. Selbst die Unwissenheit lachte ein bisschen. Das Gewissen sah die Unwissenheit herausfordernd an. „Du solltest nicht immer so streng mit mir sein.“ Beide lachten. Die Erfahrung gähnte laut und nahm die Liebe und den Egoismus in den Arm. „Ihr Beide werdet wohl niemals so richtige Freunde, was?! Aber macht doch einfach einen ganz kleinen Schritt aufeinander zu, tut mir den Gefallen! Das kann nicht schaden. Nun, los.. Kinder..reicht euch bitte wenigstens die Hand, damit ich schlafen gehen kann und es nicht wieder Streit gibt.“ Sie taten es. Widerwillig, aber sie taten es. „Ähm, da hätte ich aber auch noch etwas zuzusagen“, rief das Gefühl dazwischen. „Ach, komm, Schätzchen, trink noch ein Gläschen mit mir!“, flüsterte die Rationalität ganz verzaubert. Ich baute ein riesiges Bettenlager und alle legten sich erschöpft und glücklich zum Schlaf. Die Erfahrung hatte ein Einzelbett auf dem Dachboden. Sie war die Älteste von uns und brauchte ihre Ruhe. Ihre Worte lachend an alle gerichtet:

„Was für ein Abend! Keine Witze und keine Gruselgeschichten mehr! Jetzt wird geschlafen. Und morgen früh bitte keine weiteren Diskussionen oder Streit!“,

waren das Letzte was ich vernahm bevor ich in einen tiefen, zufriedenen Schlaf fiel.